schließen
geracity_shoutEndlich ist es vollbracht, wir haben unsere Webseite umgemodelt. Neues CMS, neue Terminverwaltung, Community- Funktionen, neues Template,...yes! Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, war auf unserer alten Seite nicht mehr ganz soviel Betrieb. Das lag zum einen an effizienter Energieverwaltung, sprich wir stecken unsere Zeit lieber in das neue Schmuckstück, zum anderen am völlig veralteten CMS, welches uns einiges an Nervenaufreibung beschert hat. Die neue Seite ist nun Online, im Hintergrund wird noch weiter gewerkelt, die Community-Funktion bekommt demnächst noch ein kleines Update verpasst. Die Termine lassen sich nun dank neuer Software besser überblicken und können bspw. nach Location geordnet werden. Im Community-Bereich verhält es sich ähnlich wie bei Facebook oder Studivz, sprich Bilder hochladen, Freunde adden, usw. Über ein Feedback würden wir uns freuen.
Achtung!

Mathias Schaffhäuser (Mai 09)

Drucken
PDF

interviewDJ, Labelinhaber, Journalist und Produzent Mathias Schaffhäuser stand uns Rede und Antwort

Hallo Mathias, anlässlich deines Auftritts hier in Gera am 22. Mai zur Blechtrommel möchte ich Dir ein paar Fragen stellen. Fangen wir doch mit dem neuem Album an: „Schaffhäuser & Friends - unequal equality“ Warum trägt es diesen Namen?

Tja, das ist einerseits eine Anregung für jeden zum freien Assoziieren, andererseits für mich eine Art Terminus für das Dilemma der vielen kleinen Unterschiede zwischen Menschen bei gleichzeitiger weitgehender Gleichheit. Die bringen mich manchmal auf die Palme, diese Unterschiede, machen aber oft auch das Interessante und Liebenswerte aus. Und da sind wir dann bei Toleranz, Anti-Diskriminierung etc.  - verlangen, dass alle gleich, also wie „ich“ sind, liegt nicht an, die Differenz, egal ob es um Meinungen, Hautfarbe, Nation, Geschlecht oder sonstwas geht, ist zu respektieren und im positiven Sinn auszuhalten, um im Anderssein wieder zueinander und zu den verbindenden Ebenen zu finden.

Das Album wird ja in den höchsten Tönen gelobt. Denkst Du, dass die guten Kritiken auch daher kommen, weil du mit so vielen Künstlern zusammen gearbeitet hast?

Na ja, die Platte ist wie sie ist, weil eben auch 10 andere Künstler daran mitgearbeitet haben, insofern haben die natürlich auch entscheidenen Anteil daran, wie das Album jetzt aufgenommen wird. Aber entscheidend ist am Ende immer die musikalische Qualität und nicht das Konzept.

Wie aufwendig war es für Dich mit den Künstlern ihre individuellen Stile für das Album zu kommunizieren?

Total unterschiedlich. Mit manchen war sofort alles klar und die Zusammenarbeit flutschte total easy, mit anderen stellte sich heraus, dass man eine ziemlich verschiedene Sprache spricht und alles sehr genau und auch immer mehrmals geklärt werden musste. Aber darum ging es ja: um Kommunikation, Sich-Aufeinander-Einlassen und auch mal andere Positionen zu akzeptieren, ohne immer den eigenen Willen durchsetzen zu wollen.

Gut wollen wir über Vergangenheit und Gegenwart reden. Du hast seit 1994 in der Technoszene Erfahrung und Eindrücke gesammelt. Was für positive und negative Veränderungen hat die Szene heute im Gegensatz zu damals in Deinen Augen gemacht?

Das ist natürlich ein sehr komplexes Thema, wobei ich nicht zur Früher-war-alles-besser-Fraktion gehöre. Ich finde es toll, dass bis heute immer wieder junge Leute Techno und House für sich entdecken und in den Clubs der Altersdurchschnitt relativ konstant bleibt. Ich hätte natürlich nichts gegen ein paar mehr Ü-30er und Ü-40er, aber leider passt clubben für die meisten in dem Alter nicht mehr in den Lebensentwurf. Ansonsten geht’s mir aber in allererster Linie immer um die Musik, und von der gibt’s immer wieder so tolle Sachen, dass ich einfach Fan bleiben muss und auch alles drumherum immer wieder toll finde.

Erfolgreicher DJ und Labelchef von Ware gehört ja auch zu Deiner Gegenwart. Was strebst Du noch in nächster Zeit an?

Unbedingt die Ablösung des Kapitalismus durch ein menschenfreundlicheres System... ;-) Schön wär’s! Musikalisch kommen jetzt erst mal im Mai und Juni zwei Maxis von Ziggy Kinder (Ware 79) und Lucy (Ware 80), die ja auch beide auf meinem Album dabei sind und dann nach dem Sommer eine 3. Maxi mit Zusammenarbeiten von mir und Freunden, diesmal mit Pawas und Beume, Glitterbug und Midinovela.

Musik ist und bleibt immer politisch. Diese Aussage kann jeder in Deiner Artistinfo lesen. Mit welchen Mitteln denkst Du, kann Techno politisch sein und sollte er es wirklich? Vor allem da, laut Knigge, Krankheit und Politik auf guten Partys kein Thema sein sollte.

Dieser Regel muss ich vehement widersprechen. Wir schweigen im Gegenteil viel zu oft über unsere Sorgen, da wäre Offenheit auf breiter Linie wirklich der bessere Tipp. Man diskutiert ja nicht auf der Tanzfläche, das ist klar, aber am Tresen und sonstwo kann ruhig mal ein bisschen mehr Weltverbesserungspalaver geführt werden. Und Musik kann natürlich immer auch Inhalte transportieren, es muss ja nicht gleich ein ellenlanger Bob-Dylan-Text sein, es geht auch plakativer und origineller, das empfinde ich immer wieder als eine Herausforderung.

Zum  Schluß habe ich bisher jeden gefragt, wie er die elektronische Szene in der Zukunft sieht. Welche Vorstellung hast Du als Labelchef zu dem Thema Zukunft?

Erst mal müssen wir diese blöde sogenannte Krise überstehen, die ja vieles lähmt, und dann wird man sehen, wieviele Clubs und Labels danach  noch am Leben sind. Da mache ich mir schon ein paar Sorgen, aber ich bin auch sicher, dass es weitergeht. Hoffentlich auch weiterhin mit genug Mut, den Underground zu fördern und nicht nur auf die großen Namen zu setzen. Denn das führt unweigelich zu einem Abwärtstrend und Ausbluten der Szene.

Mathias, ich danke dir für das interessante Gespräch und wünsche dir und deinem Label viel Glück!

Das Interview führte Christoph Hemmann (l´auditeur)

Zalando Lounge